Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Wie „Hans im Glück“ leben

Avatar of KEBKEB - 06. Dezember 2021 - KrisenBlog

Kennen Sie noch das Märchen „Hans im Glück“? Erstmalig erschien es in der Zeitschrift „Wünschelruthe“ im Jahr 1818, allerdings noch unter dem Titel „Hans Wohlgemut“. Ein Jahr später fand es Einzug bei den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm und erhielt dort die bis heute gängige Bezeichnung „Hans im Glück“.

„So glücklich wie ich, rief er aus‚ gibt es keinen Menschen unter der Sonne. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war.“ (Hans im Glück, nach Brüder Grimm)

Beneidenswert ist die darin beschriebene positive Lebenseinstellung. Aber manch einer kann nicht nachvollziehen, wieso das so ist.

Hans ist doch ein im wahrsten Sinne des Wortes Verlierer, der, obwohl er nach sieben Jahren treuer Dienste bei seinem Herrn einen Goldklumpen geschenkt bekommen hatte, letztlich mit leeren Händen nachhause zurückkehrt. Eine Erfolgsgeschichte liest sich doch anders!?

Fassen wir seinen Weg kurz zusammen. Den Goldklumpen, den er bekommen hatte, tauscht er auf dem staubigen Heimweg gegen ein Pferd ein, um nicht mehr laufen zu müssen. Vom Pferd wurde er im Galopp in den Straßengraben befördert und fand, dass eine daherkommende Kuh ein entspanntes Reisevehikel sei und nebenbei noch Milch geben kann. Daher tauschte er beim Bauern das Pferd gegen die Kuh ein. Als er mittags durstig wurde, wollte er die Kuh melken. Aber anstatt Milch zu geben, verpasste sie ihm einen Tritt mit dem Hinterhuf. In seinen Augen taugte die Kuh daraufhin nur noch zum Schlachten. Da er aber lieber Schweinefleisch aß, tauschte er bei einem daherkommenden Metzger, der ein Schwein mit sich führte, die Kuh gegen das Schwein ein. Als er im weiteren Verlauf einen Bauernburschen traf, wurde er von diesem überzeugt, das Schwein gegen die mitgeführte Gans zu tauschen, da es angeblich Diebesgut sei. Ein Scherenschleifer, der von den „vorteilhaften“ Tauschgeschäften gehört hatte, konnte Hans im nächsten Dorf überzeigen, die Gans gegen einen Schleifstein einzutauschen, da dieser ihm angeblich immer Geld in der Tasche einbringen würde. Dieser Wetzstein war allerdings schwer, sodass er auf seinem weiteren Weg durstig wurde. Als er an einem Brunnen trinken wollte, legte er den Stein auf den Brunnenrand und als er sich zum Trinken bückte, viel er aus Versehen hinein, woraufhin er „frei von aller Last“ nach Haus zu seiner Mutter ging.

Was für eine Geschichte. Interessant ist, dass er bei jedem Tauschgeschäft das bekam, was er wollte, und glücklich war. Nie hat er sich als „Verlierer“ gesehen, obwohl er am Ende mit leeren Händen dastand. Hans denkt nicht an das, was er verloren hat, sondern an das, was ihm der jeweilige Tausch eingebracht hat. Immer hatte er das Gefühl, das in der jeweiligen Situation Beste für ihn herausgeholt zu haben. Immer lebt er im Hier und Jetzt und ist glücklich. Ein interessanter Gedanke, auch für uns?

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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