Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Mit Kindern über Krieg reden

14. März 2022 - KrisenBlog

Die schiere Flut an verstörenden und ängstlich machenden Bildern ist überwältigend. Der Ukraine-Krieg, die Dramen der Flüchtlinge und die Fassungslosigkeit gegenüber entfesselter Gewalt, gehen in diesen Tagen an niemandem spurlos vorbei. Besonders Kinder sind davon betroffen und im wahrsten Sinne des Wortes auch bei uns zu Leid-tragenden geworden.

Mit Kindern über Krieg reden, ist wichtiger denn je, auch wenn es schwer fällt. Zunächst einmal kommt es darauf an, die Kinder in ihren Gedanken und Sorgen ernst zu nehmen. Ihnen wurde in den Corona-Jahren schon viel abverlangt und eine normale und unbeschwerte Kindheit ist ihnen in dieser Zeit verwehrt geblieben.

Mit Kindern zu sprechen und ihnen zuzuhören, braucht Zeit und Einfühlungsvermögen. Drängen Sie Ihr Kind daher nicht. Seien Sie vielmehr hellhörig und aufmerksam, was Ihr Kinder zu sagen hat und was es möglicherweise mit sich herumträgt. Wenn Ihr Kind Sie etwas fragt, dann antworten Sie offen und ehrlich. Kurze, klare und einfache Sätze sind dann hilfreich und keine ausufernden Vorträge. Vertrauen Sie darauf, dass das Kind sich das an Wissen von Ihnen holt, was es gerade benötigt. Verharmlosen oder Relativieren Sie nicht das Kriegsgeschehen, um Ihr Kind vermeintlich zu schützen. Kinder wissen mittlerweile genau, dass ein Krieg gefährlich sein kann. Verheimlichen Sie in diesem Zusammenhang auch Ihre eigene Betroffenheit nicht, machen Sie vielmehr verständlich, warum sie betroffen sind. Konfrontieren Sie Kinder aber nicht mit etwaigen Kriegsfolgen, die die Kinder von sich aus nicht angesprochen haben. Bleiben Sie bei dem, was von den Kindern kommt und was von ihnen gefragt wird. Unterbewusst sprechen Kinder nur das an, mit was sie umgehen können.

Gerade in unsicheren Zeit braucht es die Stärkung des Sicherheitsgefühls. Unternehmen Sie darum gemeinsam schöne Dinge. Verbringen Sie Zeit miteinander, „quality time“ ist wichtiger denn je geworden. Vorlesen, kuscheln, Ausflüge, alles was den Zusammenhalt fördert und Kinder Schutz und Sicherheit spüren lässt, ist angesagt. Vielleicht sind es gerade wieder die kleinen Rituale, die Struktur schaffen und einen vertrauensvollen Rahmen bilden, egal ob vor dem Einschlafen oder beim Frühstück.

Bei all der negativen Berichterstattung in den Medien kommt es darauf an, die Aufmerksamkeit auch auf die positiven Aspekte des Lebens zu lenken. Die Welt besteht nicht nur aus Leid und Krieg. Es gibt auch weiterhin gute Menschen, die helfen und sich für andere einsetzen. Kommen Sie über Möglichkeiten der Hilfe miteinander ins Gespräch. Spendenaktionen, Friedensdemonstrationen, das Sammeln von Hilfsmaterialien für Betroffene zeigt, dass es Ausdrucksformen und Möglichkeiten gibt, die aus einem bloßen passiven Erleiden herausführen können. Ermöglichen Sie daher entsprechende Aktivitäten und Aktionen Ihrer Kinder.

Den Medienkonsum gilt es zu dosierenund einzelne Angebote auszuwählen. Eine „Überdosis“ an Bildern und Informationen ist schädlich. Kleinkinder sollten davor geschützt werden und ab dem Grundschulalter sollte darauf geachtet werden, was in welcher Länge geschaut wird.

Möglicherweise zeigen Ihre Kinder körperliche- oder Verhaltensreaktionen auf das, was sie vom Krieg mitbekommen. Alpträume, Konzentrationsschwierigkeiten, Ängstlichkeit und Anhänglichkeit sind zunächst einmal normale Reaktionen, auf die „unnormale“ Situation des Krieges. Jeder Mensch, jedes Kind verarbeitet auf seine je eigene Weise. Fachlichen Rat und fachliche Hilfe sollte dann eingeholt werden, wenn über Wochen starke Symptome festzustellen sind.

„Erziehungsberatungsstellen sowie die Fachkräfte aus dem Bereich der (Schul-) Psychologie, der Schulseelsorge sowie der Schulsozialarbeit können sicherlich weitere Hinweise geben. Ein „Elterntelefon“ ist unter der Rufnummer 0800-111 0 550 erreichbar. Kinder und Jugendliche können sich zudem selbst jederzeit an die „Nummer gegen Kummer“ 116 111 wenden.“

Quelle: https://www.harald-karutz.de/gespraeche-mit-kindern-ueber-den-krieg/(Zugriff 11.03.2022)

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

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