Was ich erklären kann, nimmt Angst.

Es ist leicht Menschen Angst zu machen. Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, den Kopf und den Verstand mit einzubeziehen. Bei allen verständlichen und berechtigten Gefühlen, ist das Wissen um Fakten und Zusammenhänge sowie das Kennen von Lösungsstrategien entscheidend. Informationen schützen und können helfen, die Kontrolle zu behalten und einander bestmöglich beizustehen.

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

KrisenBlog

Trauma

Avatar of KEBKEB - 21. März 2022 - KrisenBlog

"Trauma ist ein Erlebnis, das größer ist als man selbst." (Bettina Bonus)

Die Eindrücke und Erlebnisse, die im Zusammenhang mit Krieg, Gefangenschaft, Vergewaltigung oder Gewaltverbrechen zu bewältigen sind, werden für Betroffene ab einem gewissen Zeitpunkt zu viel. Wann dieser Zeitpunkt eintritt, ist bei jedem unterschiedlich. (Vor-) Erfahrungen, psychische Grundkonstitution, soziales Umfeld, aber auch der Grad der Intensität und Identifikation mit dem Geschehen, sind ausschlaggebende Faktoren für mögliche psychische Traumata. Doch was passiert eigentlich bei einem Trauma?

Zunächst einmal gilt es sich holzschnittartig klar zu machen, dass wir Menschen ein "dreigliedriges Gehirn" besitzen. Von außen nach innen betrachtet ist da zunächst die Großhirnrinde zu erwähnen, in der typisch menschliche Fähigkeiten und Eigenschaften angesiedelt sind. Dazu gehört das Denken, bewusstes Erleben, die "Kosten-Nutzen-Analyse", Sprache und Handlungsplanung. Darunter liegt das sog. "limbische System", indem Stimmungen, Gefühle, Ausdrucksverhalten und Anpassungsreaktionen ihren Platz haben. Schließlich ist auf der dritten Ebene das Stammhirn zu nennen, in dem Instinkte, Reflexe und die Steuerung körperlicher Prozesse zu finden sind.

In einer als massiv erlebten Gefahrensituation gelingt es den vernunftgesteuerten und emotionalen Bereichen des Gehirns nicht mehr, die Sinneseindrücke zu verarbeiten. Die Großhirnrinde bzw. der Präfrontalkortex, die im Normalfall als "Chefetage" fungieren, sind ganz oder zum Teil außer Kraft gesetzt. Dadurch kann das Erlebte nicht mehr (vollständig) geordnet und mit den Sinneswahrnehmungen verknüpft werden. Dies hat zur Folge, dass nur ein "Notprogramm" im Gehirn abläuft, das auf der Ebene des Stammhirns, dem sog. "Reptiliengehirn" angesiedelt ist. "Kampf oder Flucht" lautet dort die Devise, falls dies nicht geht, bleibt nur noch die äußere oder innere Erstarrung (= Totstellen).

Diesen Zustand nennt man "traumatische Zange". Das Gefühl des Ausgeliefertseins wird übermächtig und eine "Trauma-Dissoziation" (= Auseinanderfallen von psychischen Funktionen) ist die Folge, in der Wahrnehmungen, Empfindungen, Verhalten, Fühlen und Denken ganz oder teilweise auseinanderbrechen können. In Folge dessen kann es zu einer sog. PTBS (Posttraumatischen Belastungsstörung) kommen.

Hilfen für Betroffene und Informationen für Interessierte zu finden unter:

https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/ptbs

 

Thomas Stephan, Schul- und Notfallseelsorger

 

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